Besuch eines Dämon – nächtlicher Störenfried

Eine seltsame Sommernacht

Es war eine warme Sommernacht vor einigen Jahren irgendwann im Monat August. Ich übernachtete zusammen mit meiner Freundin in der Wohnung ihrer Eltern, die alles andere als ein typischer, gruseliger Spukort war. Ich besaß eine skeptische Einstellung zu übernatürlichen Ereignissen.

BesuchEinesDämonArtikelDie Wohnung lag in einem kleinen Vorort von Karlsruhe, im ersten Stockwerk. Zur Seite des Schlafzimmers der Eltern verlief eine kleine Straße, die nachts aber selten befahren wurde. Umliegend existierten einige Wohnhäuser und in zweihundert Metern Entfernung eine S-Bahn Linie, welche ab einer gewissen Uhrzeit nur noch sporadisch fuhr oder ihren Dienst ganz einstellte. Wir schliefen im Wohnzimmer auf der Couch, mit dem Kopf zur Wohnzimmertür, welche auf einen kleinen Balkon führte. Von diesem Balkon aus hatte man am Tag die Sicht auf weite Felder und etwas Wald. Fünf Meter vor dem Balkon befanden sich riesige Pappeln, die manchmal im Wind rauschten und dann eine unheimliche aber dennoch gemütliche Atmosphäre erzeugten.

Die Eltern besaßen eine Katze, welche ein relativ anspruchsvolles und zickiges Gemüt hatte. Deshalb freute man sich alljährlich auf die warmen Tage, weil man in dieser Zeit die Katze bedenkenlos tagelang im Wald herumspazieren lassen konnte. So verbrachte sie viele Tage und Nächte und kam im Sommer nur ganz selten zurück um zu fressen oder sich auf einer Decke auszuruhen. Manchmal nutzte sie, wenn ich bei den Eltern meiner Freundin übernachtete, auch sehr gerne meinen Oberkörper zum Schlafen. Da es an diesem Tag relativ stickig und schwül war, ließen wir sowohl das Fenster im Schlafzimmer geöffnet, sowie die Tür zum Balkon. Wir waren froh, dass die Katze irgendwo im Wald spielen konnte und uns nicht zusätzlich auf die Nerven ging. Auch die Türen zwischen Schlaf und Wohnzimmer waren geöffnet damit etwas Luft und Wind zirkulieren konnte. Nur ein Fliegengitter vor der Balkontür bot etwas Schutz vor Mücken.

Werbung


Der nächtliche Besucher

Es war ziemlich schwierig bei dieser Hitze einzuschlafen. Irgendwann gegen drei Uhr morgens wurde ich geweckt. Das weiß ich so genau, da ich anschließend auf die Zeitanzeige meines Handys schaute. Ich spürte wie etwas auf meinen Beinen saß und sich hin und her wälzte. Es dauerte einige Minuten bis ich mich relativ genervt zu meiner Freundin herüberrollte, die aufgrund der klebrigen Hitze ungefähr einen halben Meter von mir entfernt lag. Dabei sprang die Katze, oder das was ich anfangs dafür hielt, in einem kleinen Satz vom Bett. Ich hörte den dumpfen Aufprall ihrer Pfoten auf dem Laminatboden und ihr hysterischeres davon rennen, welches scheinbar ins Schlafzimmer führte. Im Augenwinkel betrachtet war der dunkle Umriss, den ich vielleicht für eine Sekunde grob erhaschen konnte, viel größer als eine Katze. Eigentlich wirkte diese Erscheinung mehr wie ein schemenhaftes Wesen mit zwei dürren Beinchen. Diese Wahrnehmung meinerseits schrieb ich allerdings der Tatsache zu, dass ich mich noch im Halbschlaf befand und offensichtlich noch nicht ganz in die wache Welt zurück gefunden hatte.

Am nächsten Tag fühlte ich mich spürbar gerädert. Auf die Frage der Eltern meiner Freundin beim gemeinsamen Frühstück, was denn los sei, antwortete ich, dass ich natürlich wieder von der Katze terrorisiert wurde, die ja dann zum Glück zu ihnen ins Zimmer gerannt sei. Dann fingen alle an zu lachen. Als sie feststellten, dass ich wirklich überzeugt war von der Katze geweckt worden zu sein, waren sie etwas verwirrt bzw. verwundert. Ihre Mutter erklärte mir, dass die Katze die ganze Nacht draußen verbracht hat und noch gar nicht zurückgekehrt war. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Dann fiel mir ein, dass selbst wenn sie zurückgekommen wäre, hätte sie keine Chance gehabt in die Wohnung zu kommen. Ihr musste stets die Eingangstür geöffnet werden, wenn sie in die Wohnung zurück wollte. Der Balkon lag ziemlich weit oben und bot keinerlei Möglichkeit zum Klettern. Außerdem konnte sie das Fliegengitter nicht ohne Fremde Hilfe überwinden. Aber was war es dann, das mich in dieser Nacht weckte?

Werbung



Karlsruhe – eine Stadt voller Geheimnisse

Karlsruhe ist nun kein direkter Spukort, aber seit je her eine sehr mythologisch geprägte Stadt. Noch vor dem Einzug des Freimaurertums, gab es keltische Siedlungen, die sich in dieser Region Baden-Württembergs versuchten vor Dämonen zu schützen. Diese Siedlungen wurden oftmals auch als Spukorte beschrieben. Deshalb erbaute man bereits in vormittelalterlicher Zeit um das heutige Karlsruhe herum auf geomantischen Linien kleinere Schutz-Dörfer samt Kirchen oder Kapellen. Alle diese so genannten Schutz-Dörfer, wurden auf den Spitzen eines präzisen Pentagramms errichtet, welches jeden Spukort innerhalb des Pentagramms bis heute vor den Einflüssen der Dämonen bewahren soll. Der kleine Spukort, in welchem ich damals übernachtete, war einer dieser Ausläufer der ehemaligen Schutzsiedlungen Karlsruhes. Das Haus der Eltern meiner Freundin stand demnach nicht mehr auf den früheren Siedlungsflächen und nicht mehr unter dem Schutz des Pentagramms. Vielleicht ist es nur Aberglaube, aber bis heute frage ich mich zum Einen was für ein Wesen damals auf meinen Beinen verweilte, wenn es nicht die Katze war, und zum Anderen weshalb die Siedler früher alles dafür taten die Menschen vor den Dämonen der Finsternis zu schützen.

Dieser Beitrag wurde uns von Philipp aus Odenheim zugesandt. Vielen Dank hierfür.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.