Sterbehilfe in Deutschland

Sterbehilfe in Deutschland – Des Deutschen Recht auf Leben ist nicht des Deutschen Recht auf den Tod

Auch in der heutigen, medizinisch so fortschrittlichen Zeit, gehören das Leben und der Tod noch immer unweigerlich und untrennbar zusammen. Das Eine ermöglicht überhaupt erst das Andere. Und dennoch ist Sterbehilfe in Deutschland ein zu Unrecht taburisiertes Thema,  das die Gesellschaft polarisiert. Auf der einen Seite die Befürworter von Sterbehilfe, auf der anderen Seite die Kritiker der Sterbehilfe und Gegner der Sterbehilfeorganisationen.

Cross and dramatic skySobald ein Mensch als Kind auf die Welt kommt, hat er das Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben nach seinen Vorstellungen und Idealen. Natürlich nur sofern er durch sein Handeln keine anderen Lebewesen weder physisch noch psychisch verletzt und diese auch nicht in ihrem Handeln einschränkt. Das Recht auf einen freien, selbstbestimmten und würdevollen Tod hat er jedoch nicht. Sterbehilfe in Deutschland ist also noch immer ein Thema, das einen schwiriegen gesellschaftlichen Stand hat.

Aktive Sterbehilfe verboten. Gesetzeslage unklar.

Das deutsche Gesetz unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Sterbehilfe. Hierzu gehören die aktive Sterbehilfe und die passive Sterbehilfe. Allerdings sind die Gesetzestexte anscheinend nicht immer klar und rechtssicher ausformuliert, so dass es letztendlich nicht eindeutig ist, was wann erlaubt ist und die Grenzen zwischen Recht und Unrecht fließend und unscharf sind. Hier gibt es eindeutigen Nachholbedarf des deutschen Gesetzgebers.

Eindeutig ist hingegen, dass die aktive Sterbehilfe verboten ist und mit mindestens fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft wird. Hier wäre der angeklagte Tatbestand dann Totschlag. Aktiv bezeichnet hierbei das unmittelbare Töten eines Menschen, beispielsweise durch injizieren eines tödlichen Medikamentencocktails oder einer Überdosierung eines pharmazeutischen Präparats. Oft wird diese sicherlich diskussionswürdige und strafrechtlich verfolgte aktive Sterbehilfe an Personen durchgeführt, welche nicht mehr selbstständig dazu in der Lage sind, ihr Leben durch die Einnahme eines explizit überdosierten Medikaments oder durch jede andere beliebige Art zu beenden. Selbst der ausdrücklichen Wunsch der betreffenden Person sterben zu wollen, auch wenn dieser unter Vollbesitz der geistigen Fähigkeiten geäußert wird, ändert nichts an den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen. In diesem Fall würde die Anklage dann allerdings „Tötung auf Verlangen“ lauten, was mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden kann.

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Medikamente beschleunigen das Sterben. Verzicht auf künstlich gesichertes Leben.

Eine indirekte Sterbehilfe liegt vor, wenn ein Arzt billigend in Kauf nimmt, dass durch auf Wunsch des unheilbar und todkranken Patienten verabreichte Schmerzmittel, dessen Tod schneller herbeiführen. Diese Form der Hilfestellung ist ebenso wie die passive Sterbehilfe legal, zulässig und bleibt straffrei, solange eine Patientenverfügung oder eine Willenserklärung vorliegt. Letztere kann auch rein mündlich getroffen worden sein. So wird betroffenen Patienten zumindest ein halbwegs würdevolles und vor allem schmerzfreies Sterben gewährt bzw. ermöglicht. Passive Sterbehilfe liegt bei einem Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen vor. Dieses könnte die Beatmung, die Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen, die Aufrechterhaltung des Blutkreislaufs aber auch die Wiederbelebung durch Herz-Druck-Massage oder Defibrillation betreffen.

Überlassung geeigneter und suizidermöglichender Substanzen bzw. Mittel

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Beihilfe zur Selbsttötung betitelt eine weitere Form der Sterbehilfe. Bei dieser Form der Unterstützung obliegt es dem Sterbewilligen den ausschlaggebenden, letzten Schritt zu gehen. Beispielsweise die Einnahme einer Überdosis Natrium-Pentobarbital oder einer anderen todbringenden, giftigen Substanz. Der Helfer übergibt lediglich das Mittel zur Selbsttötung und begleitet vielleicht noch die betroffene Person. Grundsätzlich ist diese Art der Hilfe zur Herbeiführung des Tods eines Menschen strafrechtlich nicht relevant und wird seitens der Justiz normalerweise nicht verfolgt. Allerdings gab es bereits Ausnahmen der Rechtsprechung. So zum Beispiel der Vorwurf der „unterlassenen Hilfeleistung“, welcher mit einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden kann. Sobald der Sterbewillige das Bewusstsein verloren hat, auf welche Art und Weise dieses auch geschehen ist, muss der Begleiter erste Hilfe leisten und einen Notarzt verständigen. So zu mindestens lautet der Einwand. Des Weiteren kommt nach Überlassung eines Arzneimittels zum Suizidgebrauch auch eine Verurteilung aufgrund eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in Betracht.

Patienten stehen im Mittelpunkt der Diskussion – Wer denkt an die Mediziner?!

Bei allen diesen Vorschriften, die bei der Sterbehilfe beachtet werden wollen und müssen, werden zuweilen die Rechte, Grundbedürfnisse und moralisch-ethischen Einstellungen des behandelnden, medizinischen Personals, vor allem die der verantwortlichen Ärzten vergessen oder ihnen eine geringere Priorität anerkannt. Tatsächlich ist es so, dass ein Arzt verpflichtet ist, der Patientenverfügung oder Willenserklärung eines todkranken Patienten Folge zu leisten, unabhängig davon ob er dazu bereit ist, einen Menschen bewusst zu töten.

Denn eines sollte doch klar sein. Das Abschalten der Beatmungsmaschine oder die Unterlassung einer Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen stellt nichts anderes als das bewusste Akzeptieren und Herbeiführen des Todes dar. Nun kann es doch aber sein, dass der zuständige Mediziner eben diesen Sachverhalt nicht mit seinem Gewissen vereinen kann und aus persönlichen religiösen oder moralisch-ethischen Grundsätzen nicht zu einer „Tötung“ bereit ist.

SterbehilfeSteckerArtikelGanz sicher macht es nämlich einen Unterschied ob ich einen Menschen erst gar nicht reanimiere und nicht handle oder ab ob ich später von seitens der Rechtsprechung gezwungen werde den „Stecker zu ziehen“. Meinem Erachten nach sollte der Arzt das Recht haben sich frei entscheiden zu dürfen, ob er derjenige sein kann und möchte, der ein Leben beendet oder nicht. Es wird sich immer jemand finden, der bereit ist aktiv zu werden. Es muss doch nicht zwangsläufig der zuständige Arzt sein. Dieses sieht das Gesetz leider anders. Paradoxerweise können Mediziner bei Nichtbefolgung der Verfügung oder Willenserklärung wegen Körperverletzung belangt werden. Dieses ist nur sinnvoll wenn der Arzt eine Wiederbelebung durchführt, obwohl er weiß, dass der Patient dieses nicht wünscht. Aber ihn zur Rechenschaft zu ziehen weil er nicht die Maschinen ausschalten möchte, halte ich doch für übertrieben und unfair.

Bevollmächtige benennen, die den Inhalt der Patientenverfügung aktiv umsetzen mögen

Abhilfe würde ein einfacher Eintrag in der Patientenverfügung schaffen, der eine, besser mehrere Personen benennt, welche sich dazu Bereit erklären die aktive Handlung, nämlich beispielsweise das Unterbrechen der Stromversorgung, auszuführen. Zu diesen Personen sollte man selbstverständlich ein tiefes Vertrauen haben und über ihre Zuverlässigkeit Bescheid wissen. So hat man für alle Fälle vorgesorgt, und kann sicher sein, dass die eigenen Wünsche durchgeführt werden, ohne dass ein anderer dazu gezwungen werden muss.

Tod, Sterben, Sterbehilfe – Tabuthemen der Gesellschaft

Sterbehilfe ist und bleibt auch vorerst ein sehr schwieriges Thema, das wie der Tod selbst mit zahlreichen Tabus behaftet ist. Wünschenswert wäre eine gesellschaftliche Gemeinschaft, die sensibler, offener und bereitwilliger mit dem nun mal zum Leben dazu gehörenden emotionalen Vorgang des Sterbens umgeht. Wahrscheinlich ist dieser komplexer Vorgang ebenso wie die Thematik der Sterbehilfe und des Tods aber noch so sehr von falschen Vorstellungen, existenziellen Ängsten, Sorgen und Befürchtungen belastet, dass nachvollziehbarer Weise ein vernünftiges, rationales und für die Betroffenen hilfreiches Herangehen an den Themenkomplex Tod, Sterben und Sterbehilfe nur sehr schwer möglich ist. Nur allzu gerne wird verständlicherweise der Tod aus dem Bewusstsein eines gesunden, unbeteiligten Menschen verdrängt. Dieses mag an der tendenziell immer vorhandenen Angst vor dem Tod und dem Sterben liegen.

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Zweifelhafte Einstellung – Der Tod ist der Feind

Der Tod ist etwas grundlegend Schlechtes, etwas Grausames und Verachtungswürdiges. So oder ähnlich lautet bisher die vorherrschende Annahme bzw. Meinung über das Ende des Lebens. Der Tod kann aber auch Neubeginn, Erlösung sowie Frieden darstellen und etwas sehr bewundernswertes sein. Es ist immer schwer einen geliebten Menschen gehen zu lassen. Denn der Tod ist das einzige im Leben, das endgültig und unumkehrbar ist. Auch für die heutige Medizin. Aber die eigentliche Fragestellung müsste doch sein für wen der Tod belastender ist. Für den Betroffenen oder dessen Angehörigen. Vielleicht spielen manchmal ganz unbewusst verschleierte, egoistische Gründe eine Rolle, warum sich Personen an das Leben eines anderen Menschen klammern. Vielleicht ist es die Überforderung mit der aktuellen Situation des Betroffenen. Vielleicht ist es die Angst vor der Trauer oder des Gefühls, das etwas Wichtiges und Bekanntes im eigenen Leben fehlt. Weiter mögliche Gründe und Erklärungen hierfür werden so vielfältig sein, wie es das Thema an sich schon ist.

Mit der Frage der Legalität muss auch die Frage der Grenzsetzung diskutiert werden

Mit der Klärung der Rechtsmäßigkeit von Sterbehilfe muss eigentlich auch die Formulierung von eindeutigen Grenzen einhergehen. Aber auch dieses stellt sich in der Realität als sehr schwierig bzw. als fast unmöglich dar. Denn wer soll entscheiden wer sterben darf und wer nicht. Wo soll man die Grenze setzen. Ganz klar ist die Sachlage bei allen vorangeschrittenen körperlichen Krankheiten, die unweigerlich und unumkehrbar zum Tod führen. Was ist aber mit Krankheiten, die zwar eine massive physische wie auch psychische Belastung für den Betroffenen darstellen, unter Umständen sehr schmerzhaft sind jedoch nicht unmittelbar zum Tod führen oder überhaupt nicht tödlich sind. Gewährt man diesen Personen dann auch das Recht auf Sterbehilfe? Lässt man diese Personen Suizid begehen und begleitet sie dabei auch noch, obwohl dieser Mensch vielleicht noch zehn Jahre bei klarem Verstand leben könnte, allerdings mit einer geminderten Lebensqualität? Und was ist mit psychisch erkrankten Personen, die bereits Jahrzehnte beispielsweise aufgrund einer therapieresistenten Depression dahin vegetieren und ihr Leid beenden wollen. Gestattet man diesen Menschen in den Freitod zu gehen?

Sie sehen selbst, dass dieses Thema noch sehr viel auf Moral und Ethik basierendes Diskussionspotential bietet und wahrscheinlich nie zufriedenstellend und abschließend gelöst werden kann. Jeder Mensch auf dieser Erde wird eine andere Meinung zu diesem Themengebiet haben. Aber wer hat Recht und wer hat Unrecht. Das kann niemand beurteilen.

Fazit – freie Meinungsbildung

Abschließend muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit diesem Thema umgehen möchte, vielleicht auch wie er damit umgehen kann. Sicherlich gibt es bei solch einer komplexen Fragestellung keine einfache Antwort und schon gar nicht ein „Richtig“ oder „Falsch“. Jeder Fall wird individuell zu betrachten sein. Somit kann vorher nicht eine korrekte Vorgehensweise beschrieben werden, ganz abgesehen davon, dass dieses doch ziemlich anmaßend wäre. Man sollte den Menschen lediglich Denkanregungen bezüglich dieses Themas geben. Was sie letztendlich daraus machen und welche Meinung sie sich bilden, liegt aber ganz alleine bei ihnen selbst. Diese Meinung eines Menschen sollte von allen anderen akzeptiert und respektiert werden, auch dann wenn sie nicht die eigene Einstellung zum Thema wiederspiegelt.

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