Sterbehilfeorganisationen – menschenwürdiges Sterben

Sterbehilfeorganisationen– der liebevolle und respektvolle Notausgang aus dem Leben

Wenn das Leben nichts mehr Anderes zu bieten hat als unerträglichen Schmerz, Kummer, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Hilflosigkeit wünschen sich viele betroffene Menschen nichts sehnlicher als selbstbestimmt Abschied nehmen zu können und Frieden im Tod zu finden. Für diese Menschen ist dann der Kontakt zu einer Sterbehilfeorganisation, deren Unterstützung und in letzter Konsequent das begleitete, selbstbestimmte Sterben ein Segen.

Frau spricht Seniorin ihr Beileid nach einem Todesfall ausSo sieht es mit der Sterbehilfe in Deutschland aus

Sterbehilfeorganisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht diese Menschen zu betreuen, ihnen beizustehen, sich ihren Wünschen anzunehmen und sie auf ihrer letzten Reise zu begleiten. Sie begleiten sterbenskranke Menschen liebevoll und menschenwürdig in den Tod. Leider steht Deutschland der Arbeit dieser Vereine nicht so offen gegenüber dar, wie es eigentlich in unserer modernen und fortschrittlichen Zeit der Fall sein sollte.

Sterbehilfe in Deutschland – Menschenwürdiges Sterben mit gesetzlichen Hindernissen

Obwohl der deutsche Staat und dessen Regierung sich als aufgeklärt und tolerant bezeichnen, werden Sterbehilfeorganisationen in Deutschland nicht nur ungern gesehen, ihre Arbeit tabuisiert und kritisiert. Ungerechtfertigter Weise werden Vereine die Sterbehilfe für schwerkranke Menschen organisieren möchten, auch von juristischer Seite massiv beeinträchtigt und kriminalisiert.

Unsere zweifelhaft aufgeschlossene Gesellschaft erkennt nicht die Notwendigkeit, dem selbstinitiierten Sterben den Weg in unseren Alltag zu ebnen und Sterbehilfeorganisationen zu legalisieren. Stattdessen wird das teilweise unbeschreibliche Leid todkranker Menschen hingenommen, vielleicht sogar aus wirtschaftlichen Gründen gezielt toleriert.

Schließlich bringt die Behandlung von unheilbaren Krankheiten und irreversiblen Verletzungen bzw. Zerstörungen des menschlichen Organismus der Pharma- und Medizinindustrie Millionenbeträge ein.

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Erst im Dezember 2015 wurde ein Gesetz zum Verbot von geschäftsmäßiger Sterbehilfe vom Deutschen Bundestag erlassen und mehrstimmig angenommen. Nahezu sechzig Prozent der Bundestagsabgeordenet bejahten den Gesetzesentwurf und stellten damit die Arbeit von Sterbehilfeorganisationen unter Strafe.

In Kraft getreten ist das Gesetz zur Regelung der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung am 10.12.2015 nachdem über vier verschiedene Gesetzesentwürfe debattiert wurde. Detaillierte Informationen hierzu sind auf der Website des Deutschen Bundestags zu finden. Zum Artikel über die Debatte zur Sterbebegleitung…

Inhalt des §217 des StGB – Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung

(1) Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Als Teilnehmer bleibt straffrei, wer selbst nicht geschäftsmäßig handelt und entweder Angehöriger des in Absatz 1 genannten anderen ist oder diesem nahesteht.

 

Sterbehilfe kann nach diesem Paragraphen also dann mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werde, wenn der Förderer bzw. Unterstützer der Selbsttötung keine einzelne Person ist, sondern eine Sterbehilfeorganisation, die geschäftsmäßig schwerkranken, leidenden Menschen eine Möglichkeit bietet, ihr letztes bisschen Würde und Selbstbestimmung zu erhalten, und sie dabei unterstützt, nach eigenem Willen auf ihre letzte Reise an einen hoffentlich besseren Ort zu gehen. Dieses gilt selbst dann, wenn keinerlei kommerzielles Interesse des Sterbehilfevereins besteht.

Obwohl die Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit von diesem Beschluss ausschließlich indirekt betroffen ist, äußerte der Sterbehilfeverein Bedauern und Verunsicherung. Zur Zeit ist es unklar wie und ob der Verein Schweizer Staatsbürger helfen darf, die in Deutschland leben.

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Steigende Mitgliedszahlen und Anstieg der begleiteten Freitode

Am 10.04.2016 konnte der auf eine 34 jährige Geschichte zurückblickende Sterbehilfeverein Exit sein 100.000 Mitglied aufnehmen. Dabei liegt nach eigenen Angaben der Sterbehilfeorganisation das typische Eintrittsalter bei etwa 60 Jahren, das derzeitige Durchschnittsalter der Mitglieder beträgt 67 Jahre.

Nach Einschätzung des Selbstbestimmungsvereins sind die stark steigenden Mitgliedzahlen auf das gesellschaftlich gerade entstehende Bewusstsein für ein würdevolles und vor allem selbstbestimmtes Sterben zurückzuführen. Außerderm wird das Thema der Sterbehilfe vermehrt in den Medien behandelt und diskutiert. Weitere Gründe für die Zunahme der Mitgliedszahlen können folgende Punkte sein:

  • alternde Bevölkerung bzw. steigende Lebenserwartung
  • Bevölkerungswachstum
  • Zunahme von Demenzdiagnosen
  • Interesse der Gesellschaft an ein selbstbestimmtes Sterben
  • Vermehrtes Auseinandersetzen der Menschen mit dem Thema Tod und das eigene Sterben
  • Neudefinierung des Begriffs Leben auf philosophisch, ethischer Ebene und damit vermehrt die bewusste Entscheidung gegen die künstliche Erhaltung von Leben durch intensive Gerätemedizin

Somit gibt es jährlich alleine bei der Sterbehilfeorganisation Exit um die 3500 Anfragen zur Freitodbegleitung. Mit Stand zum Jahresende 2015 wurden insgesamt 1080 dieser Anfragen nach sorgfältiger und gewissenhafter Prüfung bewilligt. Effektiv wurden inzwischen 780 Freitode durch den Schweizer Sterbehilfeverein begleitet.

Auch die kleinere Sterbehilfeorganisation Dignitas kann steigende Mitgliedszahlen verzeichnen. In der Zeitspanne von Ende 2011 bis Ende 2015 stiegen die Zahlen von 6261 Mitglieder auf 7291 Mitglieder aus 91 Staaten an. Seit der Gründung von Dignitas hat die Sterbehilfeorganisation 2127 Freitode (Stand 31.12.2015) begleitet. Im Gründungsjahr 1998 half der Verein 6 Menschen beim selbstbestimmten Leben. Bis zum Jahr 2000 blieb diese Zahl nahezu konstant. An 2001 nahmen die begleiteten Freitode dann sprunghaft zu. So waren es im besagten Jahr bereits 50 Menschen, die der Verein bei einem menschenwürdigen Sterben unterstützen durfte und konnte. 2015 ließen sich dagegen 222 Menschen durch die Sterbehilfeorganisation in den Tod begleiten.

Kontaktadressen der bekanntesten Sterbehilfeorganisationen

DIGNITAS in der Schweiz

DIGNITAS
Postfach 17
8127 Forch

Telefon:   +41 43 366 10 70
Telefax:   +41 43 366 10 79
E-Mail:    dignitas@dignitas.ch


DIGNITAS in Deutschland
DIGNITAS-Deutschland e.V.
Schmiedestrasse 39
30159 Hannover

Telefon:   +49 511 336 2344
Telefax international:   +49 511 336 2682
E-Mail: dignitas@dignitas.de


EXIT Deutsche Schweiz
Mühlezelgstrasse 45
Postfach
8048 Zürich
Telefon: +41 43 343 38 38
Fax: +41 43 343 38 39
Mail: info@exit.ch


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