Todesstrafe und Hinrichtung – Notwendigkeit oder Barbarei

 

So schrecklich der einzelne Mensch auch sein kann. So grausam die Taten eines einzelnen Individuums oder einer kleinen Gruppe auch sein können, sein mögen und mehr denn je auch sind. Berechtigt dieses die zivilisierte Gesellschaft sich selbst temporär auf jenes verabscheuungswürdiges, widerliche und perfide Niveau zu begeben, auf dem die Akteure abscheulicher Verbrechen mit ihrer Umwelt und ihren gering geschätzten Mitmenschen interagieren? Ist diese Tatsache ausreichend um noch immer Todesstrafen auszusprechen und Hinrichtungen durchzuführen?

Gallows against a heavy skyIst es sowohl von einem moralisch-ethischen Standpunkt wie auch von einem rationalen Standpunkt aus betrachtet vertretbar, dass der Staat und somit eine Gesellschaft, die für sich beansprucht zivilisiert, gebildet und aufgeklärt zu sein, noch in unserer heutigen, modernen Zeit die Todesstrafe verhängt und immer wieder Hinrichtungen von Menschen auf bestialische Art stattfinden?

 

Tatsächlich finden auch in unserer so fortschrittlichen Zeit noch öffentliche Hinrichtungen unter den lüsternen Blicken des Volkes statt. Todesstrafen, die einzig und alleine zum allgemeinen Vergnügen, zur Befriedigung triebhafter und fragwürdiger Emotionen wie Rache sowie zur Abschreckung ausgeführt werden.

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Hinrichtungen, welche die menschliche Zivilisation in keinem besseren Licht erstrahlen lässt, als die Verbrecher selbst. Noch immer wird dieses barbarische Verhalten von Hinrichtungen und Todesstrafen unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit und eines funktionierenden Rechtssystems geduldet. Ist es aber nicht langsam an der Zeit sich von Gewalt loszusagen? Nicht mehr Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern stattdessen mit Bedacht, Logik und Intelligenz zu reagieren. Sollten wir nicht endlich Nein sagen, Nein brüllen? Nein zu Todesstrafen und Hinrichtungen.

Geschichte der Todesstrafe in Deutschland

Während der Weimarer Republik, also in der Zeit von 1918 bis 1933, nahm die Häufigkeit von Todesurteilen stetig ab, obwohl die Todesstrafe seit der Reichsgründung gesetzlich beschlossen war. Hinrichtungen wurden bald lediglich zur Bestrafung außergewöhnlich schwerer und brutaler Verbrechen angewendet. Hierzu zählen die Taten von zwei Serienmörder, deren schreckliche Vergehen bis heute nicht vergessen sind.

Am 19. Dezember 1924 wurde Fritz Haarmann zum Tod verurteilt und schließlich am 15. April 1925 durch das Fallbeil enthauptet. Bis dahin hatte er innerhalb von sechs Jahren 24 Jungen ermordet.

Am 02. Juli 1931 wurde Peter Kürten wegen mehrere Morde und Mordversuche durch das Fallbeil hingerichtet. Zuvor wurde er in neun Fällen zum Tod und wegen sieben weiteren Mordversuchen zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.  Ein Gnadengesuch Peter Kürtens wurde am 30. Juni 1931 durch die preußische Regierung abgelehnt.

Die Todesstrafe wurde während der Diktatur von Hitler in Deutschland unverhältnismäßig oft ausgesprochen. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf den Diktator vollzog das NS-Regime bis zu 142 Hinrichtungen am Tag. Nach Ende des Krieges gab es nur vereinzelt zivile, also nicht auf Militärgerichtbarkeit beruhende Todesurteile.

Nach eifrigen, politischen Diskussionen hatte sich die Bundesrepublik Deutschland bereits 1949 endgültig gegen Hinrichtungen und Todesurteile entschieden, und die Todesstrafe mit Erlass des Artikels 102 des deutschen Grundgesetz abgeschafft. Der Wortlaut des erwähnten Artikels ist in seiner Aussage eindeutig und die Wortwahl einfach:

 „Die Todesstrafe ist abgeschafft“ [Art. 102 GG]

Und dennoch! Am 02. Oktober 1952 diskutierte der Bundestag über zwei Anträge zur Wiedereinführung der Todesstrafe in Deutschland. Der erste Antrag stammte von der an der Regierung beteiligten Deutschen Partei [DP] und hatte folgenden Inhalt:

„Der Artikel 102 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland wird aufgehoben.“

Der zweite Antrag stammte von der Bayern Partei sowie von der CSU und ging ein wenig moderater vor. Die Parteien wollten den Artikel 102 durch folgenden Absatz 2 ergänzt wissen:

„Dies gilt nicht für die Verbrechen des Mordes und des Menschenraubes. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“

Beide Anträge wurden jedoch in der geführten Debatte abgelehnt. Dabei waren sich einige der Parteien geschlossen einig. Andere gespaltener Meinung. Aber selbst in den fordernden Fraktionen herrschte Uneinigkeit. Die Mehrheit der Abgeordneten entschied sich gegen die Anträge.

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Die Deutsche Demokratische Republik machte allerdings noch bis 1981 von der Todesstrafe gebrauch, jedoch mit zunehmender Distanzierung von Stalins Politik immer seltener. In der DDR wurden Hinrichtungen zur Bestrafung von politischen Delikten, Spionage, Mord und NS-Kriegsverbrechen eingesetzt. Gesetzlich wurde die Todesstrafe in der DDR 1987 abgeschafft.  Die beiden letzten zum Tode Verurteilten waren ein Zivilist und ein Stasi-Mitarbeiter.

Am 15. September 1972 wurde Erwin Hagedorn, ein Sexualstraftäter und mehrfacher Kindermörder, durch Erschießung hingerichtet. Es war der letzte Zivilist in der Geschichte der DDR der zur Todesstrafe verurteilt wurde.

Am 26. Juni 1981 wurde an dem Hauptmann der Staatssicherheit Werner Teske das letzte Todesurteil vor Abschaffung der Todesstrafe in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik vollzogen. Dieses geschah jedoch unter sehr fragwürdigen uns suspekt erscheinenden Bedingungen. Eigentlich war in seinem Fall das Todesurteil selbst nach DDR-Recht nicht angemessen. Bis zur Wiedervereinigung wurde die Hinrichtung des Hauptmanns geheim gehalten. Selbst seine Ehefrau wurde in dem Glauben gelassen, dass ihr Ehemann noch am leben und eingesperrt war.

Bis zur Abschaffung der Todesstrafe wurden in der DDR von 227 rechtskräftigen Todesurteilen der DDR-Justiz 166 vollzogen. Dieses geschah bis 1966 durch Enthauptung des Verurteilten. Später auch durch Erschießung unter Anwendung des sogenannten „unerwartetem Genickschuss“.

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Aktuelle Daten zur Todesstrafe weltweit

Ein Überblick

Von den weltweit 198 Staaten haben 102 Staaten die Todesstrafe vollständig abgeschafft. Dieses entspricht einem Prozentsatz von 51,5 %. 6 Staaten verhängen Todesurteile nur innerhalb eines Sonderstrafverfahrens, wie es zum Beispiel im Kriegsrecht zur Anwendung kommt. In weiteren 34 Staaten existiert ein Hinrichtungsstop. Immerhin in 56 Staaten wird die Todesstrafe noch weiterhin im normalen Strafrecht angewendet. Dieses sind 28,3% aller Staaten weltweit. Leider zählen zu letzteren auch Länder, die sehr weit fortgeschritten und entwickelt sind, so dass sie eigentlich mit gutem Beispiel voran gehen sollten. Hierzu zählen die Vereinigten Staaten von Amerika, Japan und allen voran die Volksrepublik China, in welcher jährlich mehrere Tausend Exekutionen stattfinden. Ob das zivilisiert ist, sollte ohne Einschränkung und konsequent in Frage gestellt werden.

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