Wenn man zur Geisel einer Depression wird

 

ES FÜHLT SICH SCHRECKLICH AN. Diese Depression, diese dunkle Leere die mich von innen heraus auffrisst. Unaufhörlich nagt sie an mir und hinterlässt ein schwarzes Loch. Ein Loch das immer größer und bedrohlicher wird. Ein Loch das lebendig zu werden scheint und sich mit der dreckigen Kloake der Hoffnungslosigkeit anfüllt. Immer weiter, bis diese über die Ränder des Loches tritt und meine Seele vollständig überflutet.

Ich gerate angesichts der Fluten ins Wanken, stürze zu Boden, meine Kraft reicht nicht um wieder aufzustehen. Also bleibe ich dort im Unrat meiner Seele, meiner Gedanken liegen und warte. Nein. Ich warte nicht. Denn selbst dazu fehlt mir die Kraft und der Antrieb. Ich verharre dort in der Gosse meines inneren Selbst. Scheinbar dem Schicksal unterlegen, ergeben und wehrlos gegen meine eigenen Gedanken, gegen meine Überzeugungen. Ein Monster angespornt von der Depression wittert den Gestank des Verderbens und kommt mir in kreisenden Bewegungen immer näher. Mir ist es beinahe egal. Hoffentlich lässt es sich nicht allzu lange Zeit. Denn dann ist es endlich bald vorbei.

Aber das Monster denkt gar nicht daran mir diesen Gefallen zu erweisen. Stattdessen labt es sich an meinem Leid, das von Stunde zu Stunde immer unerträglicher wird. Doch der Möglichkeit des Handelns beraubt bleibt mir nichts weiter übrig als mich dort in den Exkrementen meiner eigenen Persönlichkeit, meiner Seele mich mit den Ausscheidungen meines kranken Hirns zu besudeln. Ich fühle mich der Depression hilflos ausgeliefert.

Einen Ausweg!? Einen Ausweg kann ich nicht erkennen, denn der stinkende Dreck meiner eigenen zerstörerischen Denkweisen haftet klebrig in meinem Gesicht, dringt in meine Augen ein und raubt mir die Sicht. Ich kann nur noch durch einen Schleier aus Tränen, die sich mit diesem Dreck zu einer breiigen, übel riechenden Masse vermischt haben, das Erkennen, das einst mein Leben war, das scheinbar die Realität sein soll, die ich nicht mehr ertragen kann und deren Mächte ich nicht mehr zu bändigen weiß.

Die Depression ist meiner vollends habhaft geworden. Sie hält mich in ihren kalten, riesigen Klauen. An irgendeine Bewegung, in welche Richtung auch immer, ist gar nicht zu denken. Zu stark ist die Kraft mit der die Depression auf mich einwirkt. Mich fest hält. Mich in ihren Bann zieht und nicht entfliehen lässt.

So liege ich da. Regungslos. Beinahe wie tot. Jede kleinste Bewegung wird zum Kampf. Der Weg zum Bad scheint steinig und unendlich lang. Kaum zu bewältigen. Nur die kuschelig, warme Decke meines Bettes schenkt mir ein Funken Geborgenheit. Vermeintliche Geborgenheit. Denn sie ist nicht das, was sie zu sein scheint. Sie schenkt mir kein Leben. Nein, sie nimmt es mir.

Ich wünsche mir nur noch Ruhe. Stille, die alles durchdringt. Die mich durchdringt und mich schlafen lässt, mich in das Land der Träume geleitet. Aber die Depression lässt das nicht zu. Bei vollem Bewusstsein muss ich spüren, was dieses Monster aus mir macht. Eine leblose und glücklose Hülle, aus der jegliche Hoffnung gewichen ist. Meine Kräfte schwinden unaufhaltsam. Ich habe ihr nichts mehr entgegen zu setzen.

Wie es weiter gehen soll? Ich weiß es nicht. Eigentlich in kleinen Schritten. Aber jeder Schritt vorwärts bedeutet auch drei Schritte rückwärts. Drei Schritte die ich mich wieder zurückbegebe. Ganz allein aufgrund meiner Entscheidung.

Und in dem Augenblick, als mir das klar wird, ändert sich schon eine Kleinigkeit. Vielleicht brauche ich Hilfe, aber es liegt an mir, diese Hilfe einzufordern. Es liegt an mir nicht zurück zu gehen und stolz auf den Schritt vorwärts zu sein. Wie klein er auch immer sein mag. Und mit jedem noch so kleinen Schritt vorwärts bewege ich mich auf ein schwaches Licht zu, dass die Dunkelheit erhellt und mich auf den richtigen Weg führt.

Und plötzlich ist das Licht gar nicht mehr so schwach. Es hat mich in Bewegung gebracht. Es hat mich handeln lassen. Und erstaunt erkenne ich die Chance, die es mir schenkt. Eine Chance, die Besserung verheißt. Dieser einen Chance werden weitere folgen, die mich weiter aus diesen Sumpf der Depression herausholen. Irgendwann fange ich an mich besser zu fühlen. Die Depression hat ihren Schrecken verloren. Mir geht es vielleicht noch immer nicht gut, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich bin nicht mehr die Geisel meiner Depression.

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